Icefire in Japan

    • Official Post

    Hallo allerseits! Im Hofbräuhaus war ich noch nicht, aber ich werde sicher ein Bild machen, wenn ich dort vorbeikomme.

    Hübsche Frauen gibt es hier auch viele, aber ich bin mit meiner Freundin gekommen :) Ich weiß noch nicht, wie weit geschlechterübergreifende Freundschaften hier normal sind.

    Heute hatte ich eine sehr Japanische Erfahrung gemacht. Wir haben mittlerweile eine Wohnung gefunden, und ich bestelle hin und wieder auch Sachen im Internet. Heute mittag bekam ich einen Anruf auf Japanisch, auf dem ich leider gar nicht verstanden habe. Ich habe mich entschuldigt, und der gute Mann hat aufgelegt. Eine Stunde später klingelt es wieder, diesmal eine Frau, auch Japanisch. Also wieder fünfmal entschuldigt, gesagt, dass ich leider noch kein Japanisch kann, und mit gebrochenem Japanisch versucht zu verstehen, um was es geht. Die gute Frau ist stets bemüht quält sich zu einem Satz auf Englisch (sie hat sich wirklich viel Mühe gegeben): "We .... shipping company.... your.... nani .... chotto .... shipment ..ehhh... is here".

    Ich habe dann nach der Adresse gefragt, und einfach in Buchstaben abgetippt, was das Ohr an Lauten registriert hat:

    "tokyo otaku heiwajima ni juu juu seinou unju keihin office birudingu 16. This place .... very big. Birudingu 16." :idee: Ob das meine Umzugskartons aus Deutschland sind?

    In Google eingetippt, und mit Autokorrektur eine Adresse in einem Industriegebiet bekommen. Mit dem Vokabular von der letzten Japanisch-Klasse einen Termin vereinbart, und gefragt ob ich um 20:00 vorbeikommen kann. Top, hat sie sofort verstanden. Ein Erfolgserlebnis!

    Nach Feierabend in den Bus und eine Stunde ins Industriegebiet gefahren. Als letzter aus dem Bus ausgestiegen, und irgendwo im Industriegebiet zwischen LKW-Tankstelle und riesen Lagerhallen ausgestiegen.

    Als ich an der Adresse ankam, war das ein riesen Gelände, auf dem unter anderem Autos verschifft werden. Gelände ist mit Stacheldraht abgeschirmt. Mittlerweile ist es dunkel. Außer einem Wachmann keine Menschenseele. Keine Ahnung, wo 'building 16' ist. Also, den Wachmann fragen:

    "Entschuldigung, wo ist 'Building 16'?" (auf Japanisch)

    Er schaut mich ratlos an.

    *ich überlege, wie ich besser fragen kann*

    "Entschuldigung, wo ist 'Biru 16'?" (auf Japanisch - Biru ist die Kurzform für Building, weil die Japaner sehr gerne abkürzen).

    Er versteht, und zeigt auf ein riesen Block in dem Komplex.

    Nun bin ich angekommen, weiß aber noch nicht, zu welcher der fünf Firmen in den Gebäude ich will. Also im Aufzug einmal in jedes Stockwerk (6 Stück), und die Telefonlisten, die aushängen, mit der Nummer verglichen, von der ich angerufen wurde. Leider kein Treffer. Also draußen weitergesucht. Auf der Rückseite ist ein Verladeplatz, auf dem LKWs beladen werden. Auf den LKWs steht groß "Seino". Moment, ungefährt sowas hatte ich mir doch aufgeschrieben! Hier muss ich richtig sein.

    Ab da war es einfach: die Tür zum Büro gefunden, und von einem Mitarbeiter ohne Englischkentnisse begrüßt worden. Nachdem ich meinen Namen Clemens japanisiert ausgesprochen habe ("kuremensu") wissen sie auch sofort Bescheid. Er zeigt mir eine Telefonnummer, die ich noch nie gesehen habe. Er ist ein bisschen misstrauisch. Aber immerhin, auf dem Schild ist auch meine Adresse, und die stimmt.
    Der Mitarbeiter ist sehr bemüht, und holt das Päckchen aus dem Lagerraum. Als ich den Aufkleber lese, und das Wort "サニーRZー" lesen kann, weiß ich auch, was drin sein muss! Der Mitarbeiter sieht mein frohes Gesicht, und ist wahrscheinlich noch viel erfreuter, dass alles seine Richtigkeit hat, und er nicht noch Englisch sprechen muss.

    Zuhause angekommen, mache ich das Paket auf, und es eine B12 Mittelkonsole mit Radioschacht drin, die ich auf yahoo auctions ersteigert habe ^^


    Es hat mich sehr überrascht, wieviel Mühe sich das Zustellunternehmen gemacht hat, damit ich an mein Paket kam. Klar, ich musste dort vorbeifahren, was etwas merkwürdig ist, aber alles in allem hat es auch irgendwie geklappt!

  • Super. Das ist wirklich ein Erfolgserlebnis.

    Das hätte es bei uns nicht gegeben. Wenn man anruft, geht entweder keiner dran oder keiner ist zuständig.

    Alles ist etwas schwieriger dort. Aber sie sind immer freundlich. Auch ein kleiner Unterschied zu uns.

    Viel Erfolg noch beim "Einleben" und ich drücke die Daumen, dass es nicht zu schwer ist.

    • Official Post

    Wir sind gerade auf unserem ersten Kurzurlaub in Kyoto, und gestern habe ich diese netten Autos gesehen. Sehr interessant.

    Heute schauen wir uns noch ein paar Tempel an, morgen gehen wir in ein japanisches Theater (Kabuki). Kyoto gefällt uns sehr gut, es gibt noch viele Ecken mit eher historischer Bebauung. Kyoto ist auch bekannt für Macha (bekannt durch den grünen Macha Tee), zum Beispiel sind Macha Süßigkeiten sehr bekannt.

    • New
    • Official Post

    Mal wieder so ein paar kleine Updates - die letzten Wochen ist nicht viel passiert, außer Arbeit, Japanisch lernen und Corona. Ich habe mich aber mal ein bisschen eingelesen, wie das ist, hier in Japan ein Auto zu haben. Im Prinzip ist das ganz ähnlich wie bei uns:

    - Man braucht natürlich einen gültigen Führerschein. Als Deutscher hat man den Vorteil, dass man den deutschen Führerschein wohl direkt umschreiben kann.

    - Gebrauchtwagen sind relativ günstig, allerdings sind das ausschließlich Brot und Butter Autos. Alle Autos, die etwas mehr Charme haben, sind mindestens so teuer wie bei uns - je seltener, umso teurer. Die drei B12s, die aktuell auf dem Markt sind, fangen bei rund 20,000€ an. Einen Prius bekommt man hingegen relativ günstig.

    - Ein Auto muss alle zwei Jahre zum TÜV, was wohl im Durchschnitt mit rund 2000€ zur Kasse schlägt. Der Haken ist, dass diese Kosten auch alle Reparaturen beinhalten, die für den TÜV notwendig sind. Die eigentliche Inspektion scheint - da sind die Informationen äußerst spärlich - eher so bei rund 200€ zu liegen. Es ist ziemlich schwer, an diese Informationen zu kommen. Wie bei uns ist das alles in der Landessprache, und in der Ausländer-Community scheint es nur sehr wenig Autobastler zu geben. Ich vermute aber mal, dass wenn man motiviert ist, und das Auto selbst vorher mal auf der Bühne hat, alles etwas günstiger ist. Die Sprachbarriere macht das aber so viel schwerer. Stellt Euch mal vor, ihr müsstet bei ner Mietwerkstatt anrufen, um Euch ne Hebebühne für ein Ölwechsel zu reservieren. Das wird sicher nicht ganz einfach.

    - Versicherung ist wohl ähnlich teuer wie bei uns.

    - Die Hauptkosten sind leider die Parkplätze: In unserem Viertel kostet ein Parkplatz locker 250€/Monat, und man muss zur Anmeldung einen Parkplatz vorweisen können. Ganz fies ist die Regel, dass der Parkplatz innerhalb von 2km von seiner Meldeaddresse sein muss. D.h. entweder ich ziehe irgendwann außerhalb von Tokyo, oder ich hole mir ein Auto lediglich zum basteln (und abgemeldet in die Garage außerhalb stellen). Mal überlegen.


    Da das ohne Sprachkenntnis schwierig wird, lerne ich jetzt erstmal weiter Japanisch, und schaue mir die Autos auf der Straße an. Übrigens fahren viele Japaner als "coole Autos" alte Volvos, alte Renaults oder Alfa Romeo. Ein Renaut Clio ist hier das absolut coole Hipster-Auto, und man sieht sie überraschend häufig als importierte Linkslenker!

    Deutsche Autos sind hier ein Statussymbol. VW zu fahren, scheint hier schon ein bisschen besonders zu sein. Wenn es gar ein Audi oder BMW ist, gehört zu den ganz wohlhabenden. Mercedes sind was für die Leute, die es im Leben "zu was gebracht haben". :D

    Gängster fahren auch hier gerne äußerst laut getunte Mercedes.

    Habt Ihr in Deutschland jemals einen Maybach gesehen? Ich wusste vorher gar nicht, dass noch Autos unter dem Namen Maybach verkauft werden! Das sind meistens Luxus-Mercedes, die zum Ausdruck ihres Kaufpreises eine bonzige Zweifarbenlackierung, viel Champagnerfarben und Zierkram haben, und meistens einfach nur im Vorgarten von großen Stadtvillen stehen. In China und Japan verkaufen sich diese Autos wohl ziemlich gut.


    Da ich aktuell nicht an wirklichen Autos basteln kann, bau ich eben Modellautos und kaufe mir viele Autozeitschriften. Die Modellbausätze hier sind ziemlich cool, sehr groß und detailliert. Aktuell baue ich gerade einen AE86 im Maßstab 1/8, der einen halben Meter lang ist.


    Gibt es hier Modellbahnliebhaber? Als Kind hatte ich eine Märklin-Eisenbahn, aber die Zeiten sind lange vorbei. Jedenfalls sind Modellbahnen in Japan total beliebt! Ich habe hier einen Modellladen gefunden, in der es sogar ein Modell von einer deutschen S-Bahn gibt. Das ICE-Modell steht direkt neben dem Shinkansen.

  • Die Hauptkosten sind leider die Parkplätze: In unserem Viertel kostet ein Parkplatz locker 250€/Monat, und man muss zur Anmeldung einen Parkplatz vorweisen können. Ganz fies ist die Regel, dass der Parkplatz innerhalb von 2km von seiner Meldeaddresse sein muss. D.h. entweder ich ziehe irgendwann außerhalb von Tokyo, oder ich hole mir ein Auto lediglich zum basteln (und abgemeldet in die Garage außerhalb stellen).

    Mal rein aus Interesse: Gilt die Regelung auch für Kei-Cars? Ich meine mal gelesen zu haben, dass diese besonders kleinen Auto davon ausgenommen sind.


    Maybachs habe ich in den letzten Jahren zuhauf gesehen, allerdings nie aktiv im Straßenverkehr. Durch meinen Beruf (Lokführer im Güterverkehr) habe ich die letzte Maybach S-Klasse regelmäßig transportiert, als sie frisch ausgeliefert wurde. Von der Karosserieform her war sie nicht viel anders als die normale Mercedes S-Klasse, außer ein anderes Logo auf dem Kühlergrill.

    Witzigerweise wurden die Maybachs bei uns immer in komplett geschlossenen Güterwagen transportiert, für die Mercedes-Pendants genügten offene Standardwagen. Beim Kunden, bei dem sie dann abgeladen wurden (ein großer Umschlagplatz für Neuwagen) standen anschließend trotzdem alle Modelle im Freien, wo sie Wind und Wetter ausgesetzt waren :LOL:


    Viel Spaß und Erfolg weiterhin in Japan!

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!